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Leben nach der Haft

Zur De- und Restabilisierung alltagskultureller Ordnungen

Jährlich werden circa 50.000 Menschen aus deutschen Gefängnissen entlassen – die Mehrheit davon hat zwischen einem und fünf Jahren in Haft verbracht. Lediglich 30 Prozent der Gefangenen werden auf die Entlassung vorbreitet und in der Etablierung eines Alltags nach der Haft unterstützt, obwohl Resozialisierung als prioritäres Ziel des deutschen Strafvollzugs definiert ist. Hier setzt das Projekt an, indem es eine kulturanthropologische Perspektivierung des Prozesses der Resozialisierung vornimmt. Das Projekt fokussiert die Konstruktion von Alltag nach der Haft im Handeln ehemaliger Gefangener vor dem Hintergrund handlungspraktischer Herausforderungen aufgrund des Gefängnisaufenthaltes (bspw. Entfremdung gegenüber der Lebenswelt außerhalb des Gefängnisses, Destabilisierung alltäglicher Handlungsmuster, Liminalitätserfahrungen, Stigmatisierungen). Es basiert auf ethnographischer Feldforschung, deren methodische Basis Teilnahme und Beobachtung sowie Alltagsgespräche bilden. Inhaftierte Akteure und Akteurinnen werden bei ihrer Entlassung aus dem Gefängnis und in den Monaten nach ihrer Entlassung ethnographisch begleitet. Durch das mikroperspektivisch und akteurszentriert angelegte Forschungsdesign können kulturelle Handlungsvollzüge, -horizonte und Erfahrungen, die den Aufbau von Alltag nach der Haft ermöglichen (oder auch verhindern), erschlossen werden. Das Projekt verfolgt das forschungsleitende Ziel, eine kulturanthropologische Lesart von Resozialisierung zu entwickeln, indem es die Lebenswelten ehemaliger Gefangener und deren Konstruktionsprozesse von Alltag nach der Haft ethnographisch dicht erfasst.

 

Barbara Sieferle

 

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