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Containern, Tauschbörsen, Reparaturwerkstätten

Alltagskulturelle Figurationen von Endlichkeits- und Nachhaltigkeitsdiskursen

** Das Forschungsprojekt ist abgeschlossen. Ihre Forschung veröffentlicht Maria Grewe unter dem Titel "Teilen, Reparieren, Mülltauchen" im April 2017 bei Transcript **

Folgt man den Argumentationen der Kulturwissenschaftler Claus Leggewie und Harald Welzer, sind wir an die Grenzen unseres kulturellen Modells gestoßen: „an die Endlichkeit der Energievorräte, der Umweltbelastbarkeit, der biologischen Ressourcen, des wirtschaftlichen Wachstums, der Traglast des Planeten“(Leggewie/Welzer 2009, S. 52). Unsere Gesellschaft könne sich nur an die gewandelten Umwelt-, Klima- und Politikbedingungen anpassen, wenn sie eine „Kultur der Nachhaltigkeit“ entwickle. Gemeint ist damit ein verändertes Referenzsystem, das einen Werte- und Praxiswandel zulässt. Bereits vor zwanzig Jahren wurde das Konzept der Nachhaltigkeit zum politischen Leitmotiv erhoben und seitdem aus unterschiedlichsten Perspektiven instrumentalisiert. Angesichts der kulturellen Konstruktion von und dem Umgang mit Krisen, wie Wirtschafts-, Euro-, Atom- und Umweltkrise etc., gewinnt das Konzept für immer mehr Menschen an Plausibilität. Es ermöglicht, den Umgang mit begrenzten Ressourcen zu reflektieren und zu verändern.

So kann thesenhaft formulieren werden, dass das politisch intendierte Konzept von Nachhaltigkeit längst in lebens- und alltagskulturelle Diskurse und Praxen übersetzt ist. Dabei bearbeiteten die Akteure die Konstruktion von Institutionen ebenso wie dieEndlichkeitswahrnehmung wirtschaftlicher, politischer und ökologischer Systeme. Im Zentrum des Dissertationsprojekts stehen somit die kulturellen Strategien einer nachhaltigen Nutzung von Ressourcen. Welche Bedeutungsgewebe bearbeiten und produzieren die Akteure performativ und kognitiv? Welche Rolle spielen in alltagskulturellen Nachhaltigkeitskonzepten und Endlichkeitsdiskursen spezifische Wissensbestände? Diesen Fragen soll in kulturwissenschaftlich dichter Fokussierung und methodisch plural an drei Feldern induktiv nachgegangen werden. So stehen die Nutzung von weggeworfenen Nahrungsmitteln – das Containern –, Kleidertauschbörsen und das Instandsetzen von kaputten und ungenutzten Gebrauchsgegenständen in offenen Werkstätten im Mittelpunkt. Disziplinär lässt sich die Arbeit in der Schnittstelle zwischen Politischer Anthropologie, Protestforschung und der Erforschung materieller Kultur einordnen.

Maria Grewe


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