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Bioökonomie als kulturelle Transformation

Bioökonomie

Bioökonomie als kulturelle Transformation: Innovative Potenziale und gesellschaftliche Herausforderungen der Praktiken zukunftsorientierten Wirtschaftens

Krisen verändern kulturelle Ordnungssysteme, die bis dahin gesellschaftliche Orientierung boten. Die Verknappung fossiler Rohstoffe markiert eine solche Krise, im Zuge derer gegenwärtig politische Programme und technische Innovationen entwickelt werden, um Antworten auf globale Zukunftsfragen zu finden. Exemplarisch hier: die Bestrebungen der Bioökonomie, durch Nutzung nachwachsender Rohstoffe ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erreichen.

Angestoßen werden diese innovativen Prozesse in lokalen Handlungskontexten. Auf deren Akteur:innen fokussiert dieses Forschungsprojekt, das mittels ethnografischer Verfahren (Interviews, Beobachtungen und Medienanalysen) die Praktiken, Kooperationen, Motive und Wertvorstellungen jener Pionier:innen offenlegen, die konkrete bioökonomische Lösungsansätze (Verpackungen aus Pflanzen, Kleidung aus Cellulose, Massiv-Holz-Mauern) entwickeln. Mit seinen empirisch-vergleichenden Kulturanalysen zielt das Projekt darauf, Praktiken der Bioökonomie konkret zu machen, sie als komplexe kulturelle und dabei häufig ambivalente sowie konfliktreiche Verfahren darzustellen und somit die durch bioökonomische Bestrebungen evozierten kulturellen Transformationsprozesse zu entschlüsseln.

In einer als Vergleich konzipierten, empirisch argumentierenden Kulturanalyse fokussiert das Projekt (a) die bioökonomische Förderung und technischen, digitalen und stofflichen Innovationen des Bauens mit Holz; (b) innovative, biobasierte Alternativen zu Plastikverpackungen aus Pflanzenfasern und hier insbesondere die Wertvorstellungen, Risiken und Strategien der Pionier:innen in Entwicklung und Vermarktung der innovativen Produkte sowie die Beziehungen im Handlungsnetz der (nicht-)menschlichen Akteur:innen entlang der kompletten Wertschöpfungskette (vom Anbau auf dem Feld, über die Faseraufbereitung in der Biogasanlage, die Verarbeitung in einer Papierfabrik, dem Einzelhandel bis zum Recycling). Diese komparativ konzipierten Studien flankiert eine gemeinsame Analyse der Projektleiterin und der:s Mitarbeitenden, die (c) die besonderen Potenziale transnationaler Kooperation in der Entwicklung und Nutzung von Lyocell in der Herstellung von Kleidung auf empirischer Basis offenlegt.

Das Projekt begreift Bioökonomie als kulturelle Transformation. Es geht davon aus, dass die von Politik, Forschung und Wirtschaft induzierten Produkte und Programme auch die Kultur, verstanden als tradiertes Orientierungs- und Regelsystem, das über dem Alltag liegt, verändern. Dadurch adressiert es wesentliche gesellschaftliche Zukunftsfragen und produziert politisch und wirtschaftlich relevantes Wissen. Deshalb macht das Projekt den Transfer wissenschaftlichen Fachwissens zu einem seiner wesentlichen Ziele und kommuniziert seine Ergebnisse in Form von Policy Papers auch gezielt an Adressat*innen außerhalb des Faches.

Projektleitung: Dr. Sarah May 

Mitarbeiter:in: N.N. 

Gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen Eliteprogramms für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden (Laufzeit: 2021–2024)