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Freiburgs70er

Freiburg in den langen 70ern – Facetten einer Stadt im Wandel

 

Studienprojekt 2018/19, Ausstellung im Uniseum Freiburg, 18. Juli bis 14. September 2019

 

Publikation (im Druck): Projektgruppe Freiburgs 70er/Johannes Müske (Hg.): Freiburg in den langen 70ern. Facetten einer Stadt im Wandel. Münster etc.: Waxmann.

 

In den »langen« 70ern, zwischen 1968 und 1983, veränderte sich der Alltag leise aber nachhaltig. Es entstand ein alternatives Milieu, dessen Ideen bis heute in die Gesellschaft hineinwirken: Immer mehr Menschen orientierten sich weg von konventionellen Wert- und Rollenvorstellungen hin zu persönlicher Entfaltung, Selbstbestimmtheit und Gleichberechtigung von Mann und Frau. In einer Zeit voller Spannungen – zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen Alt und Jung, zwischen Haben und Sein – kamen alternative Alltagspraxen, kreative Protestformen und neue Ideen des Zusammenlebens in einer konservativen Lebenswelt an. Die Ausstellung zeigt Facetten dieser Zeit und regt zum Nachdenken an: Was wollen wir bewegen und wie wollen wir miteinander leben?

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Abb. 1: Litfasssäule in den Räumen des Uniseums im Eingangsbereich zur Ausstellung; Abb. 2: Diskokugel im Ausstellungsteil Szenen und Populäre Orte 

 

Es war was los in den langen 70ern. Was heute Webseiten und soziale Medien übernehmen, leisteten damals Telefonketten, Plakate und Szeneorte. An der Litfasssäule im Uniseum hängen zeitgenössische Plakate und laden dazu ein, die Sonderausstellung zu besuchen. Vier Ausstellungsteile – kreative Protestformen, neue soziale Bewegungen, Szenen und populäre Orte, Alternativen im Alltag – zeigen Freiburger Perspektiven auf die »stille Revolution«. Denn obwohl die 70er im medialen Gedächtnis eher ›bunte‹ Zeit erinnert werden, wurden sie damals als ›bleiern‹ wahrgenommen. Vieles was uns heute selbstverständlich scheint, wie WGs, Diskotheken oder kommunale Kultureinrichtungen, nahm damals seinen Anfang als alternatives Gesellschaftsexperiment im Kleinen.

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Abb. 3 und 4: Ausstellungsteil Populäre Szenen und Orte: Der Buchladen »Jos Fritz« hieß zunächst »Aspirin« und war ein Treffpunkt der alternativen Szene, ebenso das kommunale Kino »KoKi«, das mit 16-mm-Filmen startete. 

 

Wir haben mit Zeitzeug*innen gesprochen, Archive durchforstet und Objekte zusammengesucht, um die langen 70er Jahre lebendig werden zu lassen. Unsere Erzählungen beginnen 1968 mit den Fahrpreiskämpfen und enden 1983, als das KKW Wyhl politisch beerdigt wurde und die Friedensbewegung in der BRD ihren Höhepunkt erreichte.

 

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Abb. 5 und 6: Ausstellungsteile Neue Soziale Bewegungen und Alternative Protestformen: Auf Demos gegen das geplante KKW Wyhl wurde es lauf, wenn die Blaskapelle "Rote Note" aufspielte. Kunst fand auch in den Protest: Bürger*innen sollten eine Maske anfertigen, die den Neutronenbombentod überleben würden.

 

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Abb. 7 und 8: Eine lila Latzhose darf nicht fehlen, wenn es um die neue Frauenbewegung geht. Mitmachen kann man auch: Plattenspieler auf einem selbstgebauten Schreibtisch im Modul Alternativen im Alltag.

 

Förderer und Partner: Universität Freiburg (Philosophische Fakultät, Uniseum, Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Zentrum für Populäre Kultur und Musik), Gesellschaft für Europäische Ethnologie in Freiburg (GEEF e.V.), Radio Dreyeckland, Kommunales Kino, Antiklager

Grafik: grafikwerkstatt freiburg

 

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Abb. 9 und 10: Gute Vorbereitung ist alles: Unsere selbstgebaute Litfasssäule und ein Insta-Snippet von unserem account „freiburgs70er“. Flyer gab es natürlich auch. 

 

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Abb. 11: An der Vernissage wurde nicht nur geredet, sondern auch (mit)gesungen: Roland »Buki« Burkhart aus dem Dreyeckland spielte seine – immer noch aktuellen – Protestsongs von damals. 

 

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Abb. 12: Geschafft! Die Projektgruppe nach der Vernissage.